(K)eine Satire – Dank an Senator Behrendt für seinen Einsatz für mehr Religion an der Schule

Von Rainer Werner (Berlin), Lehrer i. R. und freier Autor

Schreiben an den Justizsenator von Berlin, Dr. Dirk Behrendt           (Die Grünen)

Sehr geehrte Herr Senator,

ich beglückwünsche Sie zu dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Kopftuchproblematik in der Schule.

Sie können zufrieden sein, weil   es  dieses Urteil  leichter macht, das fragwürdige  Berliner Neutralitätsgesetz auszuhebeln.  Die säkularen Kräfte, die krampfhaft an diesem Gesetz festhalten, verkennen, wie wichtig  Religion  in unserer Gesellschaft  geworden ist, seit die Christen nicht mehr unter sich sind. Die zahlreichen Muslime, die inzwischen in Deutschland leben, haben ein Recht darauf, dass sie ihre  Religion frei leben können, auch wenn es einigen atheistischen  Aktivisten, die mit Religion nie etwas am Hut hatten, missfällt. 

Es schadet nichts, wenn das Kopftuch einer Lehrerin den Kindern vermittelt, dass Religiosität  genauso wichtig ist wie Bildung. Viele dieser Mädchen werden ohnehin früh  heiraten, weil es die familiäre Tradition  verlangt. Dafür ist eine gefestigte Bindung an die tradierte Religion wichtiger als der beste Schulabschluss.

Dass muslimische Eltern schulischen Erfolg  für ihre Mädchen nicht so wichtig finden, kann man  in Neukölln und Kreuzberg schon jetzt  täglich erleben. Immer mehr Imame stellen Atteste aus, die der Schulleitung anzeigen, dass das Mädchen der Familie Karimi ab jetzt ein Kopftuch trägt und das es ratsam sei, es  vom  Schwimmunterricht zu befreien. Dass diesen Mädchen Schulfeste und Klassenfahrten  verwehrt werden, kann man nur begrüßen,  weil dort die moralischen Gefährdungen am größten sind. 

Das Kopftuchurteil wird schon bald  mehr muslimische Lehrerinnen in die Klassen der Berliner Schulen locken. Dann  wird es leichter sein, für die Rechte muslimischer Mädchen zu kämpfen und den Götzendienst, der um die Bildung gemacht wird, in Frage zu stellen. Die Gegner  des Kopftuchs lassen nichts unversucht, muslimische Eltern ins Unrecht zu setzen. Sie behaupten, solche Eltern würden junge Mädchen schon im Alter  von 10 Jahren  unters Kopftuch zwingen, also bevor sie überhaupt in der Pubertät sind. Dadurch würden ihre  Rechte als  Kinder verletzt. So ein Unsinn.  Mütter wissen am besten, wann bei  ihren Töchtern die Pubertät beginnt.

Und früh mit den Traditionen der Familie und den Regeln der  Religion vertraut gemacht zu werden, kann den Mädchen nicht schaden. Das ist allemal besser, als sie den Gefährdungen unserer Großstädte auszusetzen, wo  Sex, Drogen und Alkohol  das Leben von Kindern und Jugendlichen gefährden. Dass minderjährige Mädchen noch nicht heiraten dürfen, ist ohnehin ein Vorurteil unserer eurozentrischen Rechtsauffassung. Auch hier wäre mehr Toleranz am Platze.

Sehr geehrter Herr Senator, Sie  sollten noch ein anderes Problem in den Blick nehmen und nach einer Lösung suchen.

Immer mehr Väter aus arabischen Herkunftsländern stören sich daran, dass in den Berliner Schulen überwiegend Frauen unterrichten. Das ist für die Söhne dieser Familien ein echter Nachteil, weil  sie Frauen gegenüber nicht den Respekt aufbringen können, den sie für erfolgreiches Lernen benötigen. Wir sollten den Familien entgegen kommen und dann auf weibliche Lehrkräfte verzichten, wenn muslimische Eltern dies wünschen. Es ist ohnehin bedenklich, dass der Lehrerberuf inzwischen überwiegend ein Frauenberuf ist. Heranwachsende benötigen zur Ausbildung von Rollenbildern auch männliche Vorbilder. Vielleicht hat das weibliche Übergewicht in der Schule zur Verweichlichung unserer männlichen Jugend beigetragen. Bei muslimischen Familien ist das männliche Rollenbild ungleich wichtiger als bei deutschen Familien. Wir sollten  dieser kulturellen Eigenart Rechnung tragen und  den Vätern ein Mitspracherecht bei der Lehrerverteilung an den Schulen einräumen.

Auch eine andere religiöse  Tradition  findet  in der Berliner Schule nicht die Beachtung, die  sie verdient. So sollten während des Ramadan keine Klassenarbeiten geschrieben werden, weil muslimische Kinder wegen der Ernährungsriten nicht die nötige Konzentration aufbringen können. Die offene und tolerante Gesellschaft verlangt, dass wir den Traditionen und Gepflogenheiten der Menschen, die aus fremden Kulturkreisen zu uns kommen,  mit Nachsicht und Entgegenkommen begegnen. Das Urteil aus  Erfurt  könnte den Weg frei machen für mehr Mitsprache für muslimische Eltern in der Berliner Schule.

Eine unschöne Nebenwirkung des Urteils muss man vielleicht in Kauf nehmen. Neben  den anderen Religionsgemeinschaften werden bald auch weltanschauliche Gruppierungen vorstellig werden und verlangen, dass auch ihre Symbole in der Schule gezeigt werden dürfen. Es kann also sein, dass junge Lehrer mit Pegida-Stickern am Revers  oder mit den Aufklebern der Antifa in die Klassenzimmer stürmen. Ganz wird man das nicht verhindern können, wenn man der Freiheit des Bekenntnisses das Wort redet.

Schüler sollen in der Schule nicht nur lernen. Sie sollen so früh wie möglich mit den Kontroversen, die es in unserer Gesellschaft gibt, vertraut gemacht zu werden.  Wissenschaftliche Bildung wird ohnehin überschätzt.  Früher hieß der gymnasiale Anspruch: „Nicht  für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.“ – Heute könnte es heißen: „Holen wir das pralle  Leben herein in die Schule.“

Mit den besten Grüßen

Rainer Werner

Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politische Wissenschaft, Berlin

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